Völkerwanderung

Dokumentarserie von Stefan Aust und Helmar Büchel

Ab Samstag, 14. September, 17:15 Uhr

Am Anfang war Jubel. Als im September 2015 die ersten Sonderzüge aus Österreich nach Norden rollten, mit zunächst 15.000 überwiegend syrischen Flüchtlingen an Bord, winkten ihnen an den Bahnsteigen zwischen München und Flensburg freundliche Einheimische zu, schwenkten handgemalte Begrüßungsschilder, verteilten Blumen und Gulaschsuppe.

Die Deutschen feierten die überwältigten Neuankömmlinge und wohl ein bisschen auch sich selbst: ihre Menschlichkeit, ihre Offenheit, ihre Vorbildlichkeit im Angesicht einer humanitären Katastrophe. Refugees Welcome!

Drei Jahre und zwei Millionen Migranten später ist die Euphorie verflogen. Deutschland ist tief verunsichert, Populismus auf dem Vormarsch und eine rechte Partei aus dem Stand zur drittstärksten Kraft im Bundestag geworden.

Die mehrfach preisgekrönten Filmemacher Stefan Aust und Helmar Büchel beschreiben in der fünfteiligen Dokumentarserie Ursachen und Folgen der neuen Völkerwanderung. Sie schildern diese Jahre seit 2015, die Europa und Deutschland grundlegend verändert haben - und noch für lange Zeit verändern werden.

Millionen Menschen sind vor dem Krieg in Syrien geflohen und harren oft seit Jahren in Flüchtlingslagern im Libanon, in Jordanien und der Türkei aus. Der griechische Staat steht vor dem wirtschaftlichen Kollaps und winkt die über die Ägäis nach Europa drängenden Flüchtlinge zunehmend nach Norden durch. Immer mehr Menschen, auch solche aus Regionen Afrikas und Asiens, in denen zwar kein Krieg herrscht, aber eine wirtschaftliche und politische Hoffnungslosigkeit, sehen die offenen Tore nach Europa und machen sich auf den Weg.

Ungarn, das einen Zaun an seiner EU-Außengrenze baut, ist für tausende Migranten zur Sackgasse geworden. Im September 2015 entscheidet Bundeskanzlerin Merkel, diesen Menschen aus humanitären Gründen die Einreise zu erlauben. In Sonderzügen kommen am nächsten Morgen 12.000 Flüchtlinge auf deutschen Bahnhöfen an. Euphorisch begrüßt von Politik, Medien und vielen Menschen an den Bahnsteigen. Migranten aus allen Teilen der Welt erreichen innerhalb weniger Tage mit Bussen und Bahnen die deutsche Südgrenze. „Wir schaffen das“, sagt die Bundeskanzlerin.

Im Herbst 2015 erreichen bis zu 15.000 Migranten am Tag die deutsche Grenze zu Österreich. Städte und Gemeinden und weite Teile der Bevölkerung sind hilfs- und aufnahmebereit, drohen aber angesichts des Massenansturms zu kollabieren. Am 28. Oktober 2015, einem beispielhaften Tag dieses Flüchtlingsherbstes, sind zwölf Kameraleute und Autoren für diesen Film an den Brennpunkten der Krise. Sie dokumentieren an der türkischen Küste, auf den griechischen Inseln, entlang der Balkanroute und an der deutsch-österreichischen Grenze Leid, Angst, Hoffnung, Überforderung und völligen Kontrollverlust.

Die Silvester-Krawalle des Jahreswechsels 2015/2016 in Köln und anderen deutschen Großstädten mit ihren massenhaften sexuellen Übergriffen bis hin zu Vergewaltigungen durch Migrantengruppen sorgen für einen deutlichen Stimmungswechsel in der Öffentlichkeit. Dazu tragen auch das Versagen der Polizei und besonders die anfänglichen Versuche von Politik und Medien bei, den ethnischen Hintergrund der Täter zu verschweigen oder zumindest zu verschleiern. Die anfänglich vorherrschende Refugees-Welcome-Euphorie ist in Verunsicherung umgeschlagen.

Sendetermine

Samstag, 21.09.2019 18:10

Bei der Bundestagswahl 2017 wird die AfD zur stärksten Oppositionspartei. Spektakuläre Morde und Vergewaltigungen, allesamt verübt von mehrfach kriminellen Asylbewerbern mit gefälschten Identitäten, die dennoch nicht abgeschoben wurden, erschüttern die Öffentlichkeit. In Chemnitz und Köthen kommt es nach Todesfällen unter Beteiligung von Asylbewerbern zu Protestmärschen und teils gewalttätigen rechtsextremistischen Ausschreitungen. Die Regierungskoalition steht vor dem Bruch. Bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen im Herbst 2018 verlieren Union und SPD drastisch viele Wähler an die AfD.

Sendetermine

Samstag, 21.09.2019 19:05

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